Borderline: Symptome und Abwehrmechanismen

Kein Borderliner hat zwingend alle Symptome und nicht alle Symptome sind gleich stark ausgeprägt.

 

 

Borderline-Persönlichkeitsstörungen stellen aber überwiegend spezielle Herausforderungen an den Betroffenen selber als auch

seine Angehörigen, insbesondere im Beziehungsverhalten, dar.

 

Menschen mit einer Borderline-Störung schädigen sich auf vielfältige Weise selbst. Als Kinder waren sie häufig verschiedenen Arten

von Gewalt ausgesetzt. Unter deren Folgen haben sie auch noch im Erwachsenenalter zu leiden.

 

Es gibt aber keine spezifischen Symptome, die bei jedem Menschen mit Borderline und auch nur bei diesen vorkommen.

Alle Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) können auch bei anderen Störungen auftreten.

 

Immer wieder aber zeigen sich problematische Verhaltensweisen, insbesondere in interpersonellen Situationen, die wiederum

ganz erheblich zum Chaos und letztlich zum Zusammenbruch einer Beziehung, der Arbeit und des sozialen Lebens führen. 

 

 

 

 

Symptome: Unkontrolliert aus dem Impuls heraus

 

So oder so ähnlich wird wohl jeder (Ex-)Partner die radikalen und teilweise dramatischen Verhaltensweisen und Verhaltensmuster des Borderliners beschreiben. Ohne das Überdenken von Konsequenzen erfolgen in vielen Fällen "unfassbare" Verhaltensmuster sowie damit verbundene Gefühls- oder Wutausbrüche, die für den Partner in Relation zur eher als geringfügig betrachteten Ursache als massiv  unangemessen und krass wirken:

 

 

Heftige und nicht angemessene Wutausbrüche

 

 

Die mit einem Wutausbruch verbundenen Vorwürfe und Beleidigungen des Borderliners stellen für den beschuldigten Partner oftmals eine massive Herausforderung dar, nicht ebenfalls impulsiv verbal oder schlimmstenfalls gar körperlich zurückzuschlagen. 

 

Ohne Vorwarnung entlädt sich eine unbändige Wut,  die in der Regel durch einen Trigger ausgelöst wird bzw. durch eine mit einer starken Emotion verbundenen Erinnerung aus der Vergangenheit sofort kanalisiert und ausagiert werden muss.  

 

Diese Wut ist somit eine primäre, frühkindlich erlernte emotionale Antwort auf die für den Borderliner als extrem bedrohlich empfundene Situation. Der primäre Handlungs-Impuls führt somit in den sofortigen Angriff auf sein Gegenüber. 

 

Stimmungs- und Gefühlsschwankungen

 

Borderliner reagieren auf Belastungen und Probleme im Beziehungs- und Arbeitsalltag eher extrem und mit raschen Stimmungswechseln.

 

Sie erleben den Alltag oftmals wie eine Achterbahnfahrt von Gefühlen, die sie nicht kontrollieren können. Daher reagieren sie auf äußere Einflüsse überwiegend sehr sensibel und wie ein "rohes Ei". Die Gründe für diese intensiven Emotionen erscheinen den Partnern oftmals als geringfügig oder lapidar, doch Borderliner reagieren in der Regel sehr sensibel auf äußeres Geschehen.

 

Es ensteht dann schnell ein Gefühl der Überforderung und eines starken inneren Drucks. Viele Borderliner pendeln immer wieder zwischen den Extremen: Euphorie und  Niedergeschlagenheit.

 

Weiterhin fühlen sie sich sehr schnell angegriffen, kritisiert oder verletzt und geraten somit ungesteuert in einen starken Gefühlszustand.

 

Auffällig ist, dass eine jeweilige Situation wie ein beispielhafter Streit mit dem Partner oder aber ein als sehr angenehm empfundener Umstand auch immer nur mit jeweilig einer Emotion verbunden ist. 

 

Hierbei ist festzustellen, dass fast alle situativ entstandenen Emotionen von Borderlinern immer als sehr extrem wahrgenommen werden und diese regelmäßig zu starken Stress-Symptomen führen. Viele Betroffene berichten darüber, dass sie diesen Gefühlsstürmen förmlich ausgeliefert sind und diese auch nur sehr schwer bzw. gar nicht regulieren können.   

 

 

Denken und Fühlen in Schwarz oder Weiß

 

 

Ein typisches Anzeichen ist das „Schwarz-Weiß-Denken“ des Borderliners.

 

Dieses Verhaltensmuster findet sich sowohl in alltäglichen Sachverhalten als auch in Beziehungen.  So idealisieren sie Personen in ihrer Umgebung  zunächst, um sie dann bei der kleinsten enttäuschten Erwartung extrem abzuwerten. In Liebesbeziehungen ist zu beobachten, dass nach dem Abklingen der Idealisierung des Partners durch den Borderliner die jeweiligen Beziehungserfahrungen dauerhaft nicht in einen gesunden Einklang gebracht werden können.

 

Gibt es zum Beispiel einen Streit, sind die dem Streit vorangegangenen schönen Beziehungsmomente für den Borderliner nicht mehr "verfügbar" und werden durch Abwehrmechanismen wie die Verdrängung oder Verleugnung ins Unterbewusste abgeschoben.  

 

Eine zunehmende Instabilität der Beziehung ist charakteristisch geprägt durch eine zunehmende Einteilung des Partners in "Gut" oder "Böse".

Die zeitgleiche Wahrnehmung des Partners mit seinen gesamten Facetten und Eigenschaften ist einem Borderliner verwehrt und somit erfolgt die Bewertung des Partners oder einer Beziehungs- oder Konfliktsituation dann als entweder besonders liebevoll oder eben als besonders bedrohlich.

 

 

Daher stellt es für Borderliner ein großes Problem dar, stabile respektive dauerhaft konstante Beziehungen einzugehen.

 

Symptome sind zum einen die Angst vor der Nähe zu anderen Personen und zum anderen die Angst alleine zu sein. Somit pendelt das Verhalten zunehmend immer mehr zwischen extremem Anklammern an den Partner und einer plötzlichen Abweisung bis hin zu abrupten und sich wiederholenden Trennungen.

 

 

 

 

 

 

Borderlinerin ist wütend und impulsiv

 

 

Grundsätzlich kommt es immer wieder zu Impulsdurchbrüchen, die durch ein situationsabhängiges starkes Anspannungsgefühl ausgelöst werden.

 

Für den Partner werden diese als aus dem Nichts kommend empfunden und finden ihren Ursprung entweder in oft schon beilegten Konflikten

oder als eher lapidar empfundenen Umständen. 

 

Diese Abwehrmechanismen stellen für den Borderliner eine Befreiung dar, um das innerpsychische Gleichgewicht wieder herzustellen.

Sie werden überwiegend aus dem Unterbewussten heraus eingesetzt, um die für ihn unerträglichen Ängste und Nöte abzuwehren.

 

 

Die Abwehr der nicht aushaltbaren Ängste wird vom Partner als eher frühkindlich empfunden. 

 

 

Eine überwiegend verzerrte Selbst- und Fremdsicht aufgrund unzureichend verinnerlichter guter Beziehungs- und Objekterfahrungen bedingt, dass der Borderliner sich in Angst und Wut  nicht "erwachsen" beruhigen und regulieren kann. Aus einem starken inneren Druck heraus bedient er sich dann eher archaischer bzw. kindlicher Abwehrmechanismen zur Selbstregulation: 

 

Misstrauen des Partners und Angst vor Verletzung

Die Spaltung

 

Spaltung ist die starre Trennung positiver und negativer Gedanken sich selbst und anderen gegenüber, d.h. die Unfähigkeit, bei diesen Gefühlen sich selber oder einer anderen Person gegenüber zu einem dauerhaft stabilen Gesamtbild zu kommen.

Die Spaltung ist verantwortlich für die emotionale und kognitive „Schwarz-Weiss-Malerei“. 

Eine zeitliche Integration verschiedener Gefühle insbesondere dem Partner gegenüber ist nicht möglich.

Eine permanenter Wechsel der Einteilung in Gut und Böse bedingt für den Borderliner eine der jeweilig empfundenen Situation geschuldete Schaffung  klarer Verhältnisse und eine damit verbundene Reduzierung der Anspannung. 

Die Projektion

 

 Die Projektion folgt dem Zweck der Externalisierung der eigenen „bösen“ aggressiven Selbst- und Objektanteile. Der Borderliner schließt diese Anteile aus dem eigenen Inneren aus und projiziert sie nach außen (in den Partner).

 

Somit entstehen für ihn gefährliche, vergeltungssüchtige Objekte, gegen die er sich zur Wehr setzen muss. Die projizierten Anteile müssen auf diese Weise nicht mehr in sich selbst, sondern nur noch in dem anderen wahrgenommen werden.

Heftiger Streit zwischen einer Borderlinerin und ihrem Partner

Wut und Hassgefühle beim Borderliner

Die Projektive Identifikation

 

Nach einer Projektion folgt eine entsprechende Identifizierung des Partners.

Dieser „identifiziert“ sich mit den Gefühlen des Borderliners und fühlt sich zunächst ohne Abstand selber schuldig oder wütend.

Der Borderliner hingegen „identifiziert“ das Gefühl (Wut, Schuld etc.) im Partnern ("DU bist ja wütend, nicht ich").

 

Somit kann er den Partner dann praktisch steuern und hat das Gefühl, die Wut, Schuld oder andere starke Emotionen von außen regulieren zu können. Der Borderliner kann sich somit als „Opfer“ der Aggression des Partners sehen und schützt sich dadurch. Somit hat er selbst  keine Verbindung mehr zu seinem ursprünglichen, unbewussten Gefühl.  

Die Verdrängung

 

 

Mit Hilfe der Verdrängung können psychische Konflikte dauerhaft aus dem Bewusstsein ausgeschlossen werden. Für den Partner wirkt das ganze oftmals wie eine Gedächtnislücke.

 

Tabuisierte oder bedrohliche Bewusstseinsinhalte oder Gefühle, die der Borderliner nicht wahrhaben will oder kann und die eine starke Angst in ihm auslösen, werden in das Unterbewusstsein "abgeschoben". Sie stehen dem Bewussten somit nicht mehr zu Verfügung, bleiben allerdings im Unterbewusstsein bestehen und beeinflussen das Erleben in einem nicht unerheblichen Maße.

 

Das Verdrängte sucht somit einen Weg zurück in das Bewusstsein des Borderliners. Er ist daher immer wieder unter teils großer Anstrengung bemüht, das Verdrängte buchstäblich "unten" zu halten. Gelingt dies nicht dauerhaft, kann es durch den massiven Druck bis zur Trennung vom bisher gelebten Umfeld kommen.