Struktur der Borderlinebeziehung

 

 

Ob man sich nun in einer Partnerschaft mit einem Borderliner oder eben in einer "normalen" Beziehung befindet:  

 

Keine Beziehung ist gleich, und somit sind die Strukturen und Dynamiken einer solchen Beziehung zwar oft erstaunlich ähnlich,

aber niemals allgemeingültig! Weiterhin sind Borderliner weder grundsätzlich böswillig noch zu einem "Monster" mutiert!  

 

 

 

 

 

 

Der Partner eines diagnostizierten Borderline-Erkrankten (Betroffener) wird als Angehöriger bezeichnet. 

 

Der Anfang einer Beziehung mit einem Borderliner beginnt fast immer gleich...es ist sprichwörtlich Liebe auf den ersten Blick.

 

Eine gefühlte sehr, sehr innige Liebe, völlige Intensität und Verbundenheit.

 

Aus dem Nichts heraus sehen sich beide Partner plötzlich mit buchstäblich "umwerfenden" Gefühle und Emotionen konfrontiert...viele Partner sprechen von einer Seelenverwandtschaft, einem lange nicht oder niemals zuvor gefühltem Empfinden, DEN "richtigen Partner" gefunden zu haben. Dabei ist es unerheblich, ob man diesen Traumpartner zufällig trifft, sei es nun an der Bushaltestelle, in der Disco oder beim Einkauf oder ob beide Partner sich vorher schon kannten und durch ein erneutes Zusammentreffen, ein Gespräch oder eine zufällige Berührung urplötzlich in diesen Rausch geraten.

 

           Es ist immer: berauschend, einzigartig, faszinierend.  

 

Oftmals erfolgen solche Begegnungen auch, obwohl sich einer oder beide Partner noch in einer Beziehung/Ehe befinden. 

 

Alles um sich herum wird aber ausgeblendet und es erfolgt eine völlige Fixierung auf die neue und "einzigartige" Liebe. Nicht selten gehen dabei bestehende Partnerschaften, familiäre Zusammenhalte, Freundschaften und berufliche Existenzen kaputt.

 

Durch die völlige Ausrichtung auf den neuen Partner ist der Anfang einer solchen Beziehung wie im Märchen. Man möchte soviel Zeit wie möglich miteinander verbringen, jede Minute ohne einander ist schwer und wird durch permanente Nutzung von Social MediaAnwendungen wie z.B. "WhatsApp" oder Telefonate praktisch überbrückt. 

 

Durch jedes Treffen und jeden Kontakt wird die Verbindung intensiver und der Angehörige wird mit Aufmerksamkeit und Zuneigung praktisch überschüttet. Auch wird  der Sex mit einem Borderliner von fast allen Angehörigen als überwältigend und ekstatisch beschrieben.

 

Die attraktiven Eigenschaften und der Charme des Borderliners sind faszinierend. Wie ein süßes betäubendes Gift findet er genau den Zugang, den der Angehörige aufgrund vorhandener Defizite und innerer Konflikte "braucht". Diese Symbiose oder Verschmelzung ist möglich, weil der Borderliner über eine starke empathische Wahrnehmung verfügt.

Er erkennt somit die Bedürfnisse des Angehörigen und seine Träume (im "lesen" anderer Menschen sind Borderliner - aus der Not heraus - wahre Meister) und entspricht diesen.

 

Somit erschafft der Borderliner in diesem Anfangsstadium eine Beziehungsebene, die für den Angehörigen zwar den Himmel auf Erden bedeutet, ihn aber gleichzeitig kontrollierbar, benutzbar und "besetzbar" macht.  Man spricht hier von einer sogenannten Spiegelung: Der Borderliner erkennt die Bedürfnisse des Partners und seine "guten Seiten" und  genau diese werden praktisch idealisiert und in den Himmel gehoben. Welchem Menschen würde das nicht gefallen? Plötzlich ist da jemand, der einem zeigt, wie wertvoll und innerlich als auch äußerlich attraktiv man ist?  Man bekommt einen Spiegel vorgehalten, indem man sich selber besonders gut gefällt und diese Spiegelung ist praktisch der Grundstein für die Intensität und Verbundenheit der Beziehung.  Somit entsteht das Gefühl, den Seelenverwandten getroffen zu haben-

und dem ist auch so. Die Gefühle sind beidseitig durchaus echt. 

 

Der Borderliner spiegelt, grundsätzlich gesagt, aufgrund einer nicht vorhandenen vollständigen Persönlichkeitsstruktur.

Wir alle haben ein eigenes Bild von uns selbst, welches uns als eigenständiges ICH ausmacht.

Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung haben ein fehlendes Eigen-Ich bzw. ist dieses nur in Fragmenten vorhanden. 

 

Bedingt durch die "Suche" nach einem ICH und der damit verbundenen permanenten inneren Anspannung bietet ein Borderliner somit die ideale Projektionsfläche. Wie ein unbeschriebenes weißes Blatt Papier bietet er seinem Partner die Möglichkeit und Fläche für das eigene  Ich und seine Vorstellungen an. Auf der Suche nach dem erhofften perfekten und "kompletten" Selbstbild sieht er in dem Partner einen Spiegel und beginnt, dessen Wünsche und Bedürfnisse zu projizieren. 

 

               Interessant ist: Fast alle Borderline-Beziehungen sind in ihrer Anfangsstruktur gleich  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Nun wäre es zu schön, wenn diese anfängliche symbiotische Verbindung dauerhaft anhalten würde und der "siebte Himmel nie endet".

 

           In der Mitte einer solchen Beziehung fängt die schöne heile Welt zu bröckeln an.

 

 

Die bislang erlebten positiven Gefühle können vom Borderliner nicht aufrecht erhalten werden und er beginnt aufgrund seiner inneren Zerrissenheit, mit Flucht oder 

Angriff zu reagieren. Positive (Liebes-) Gefühle sind für den Borderliner untrennbar mit Verletzbarkeit verbunden und somit wandelt sich die anfängliche Liebe immer mehr in Ablehnung. Der vormals geliebte Spiegel wird somit verantwortlich gemacht für die Gefühle und muss unweigerlich  zerstört werden, da der/die  Betroffene nicht sehen möchte , was er sieht.  

 

Mit genau der gleichen Wucht, die den Angehörigen am Anfang der Beziehung so faszinierte, treffen ihn die schlagartigen Veränderungen. Praktisch aus dem Nichts heraus kommen nun die Abwehrmechanismen der Borderline-Persönlichkeit ans Tageslicht. Diese Abwehrmechanismen sichern grundsätzlich das psychische Überleben und sind bei Borderlinern in der Regel eher frühkindlich bzw. "unreif". Im längeren Verlauf einer Partnerschaft spielen Leidenschaft und Hingabe somit nicht mehr die entscheidende Rolle und die ersten Schwierigkeiten treten auf.  

 

 

So berichtete mir eine Angehörige, dass sich bei ihrem Partner nach zwei Monaten eine stetig steigernde Aggressivität einstellte.

 

 

Eines Abends wurde ein Streit an den Haaren herbeigezogen und trotz aller Bemühungen eskalierte die Situation. Ich war regelrecht erschrocken über die Art und Weise meines Partners. Wir wollten zusammen zu Abend essen und ich hatte nach der Arbeit noch schnell eingekauft...natürlich wollte ich es meinem Partner so schön wie möglich machen und kaufte seinen Lieblingswein sowie ein paar Kerzen. Zu Hause angekommen bereitete ich das Essen vor und stellte die gekauften Kerzen auf den Tisch und zündete sie an.

Gerade als ich den Wein einschenkte, klingelte es auch schon an der Tür. Ich öffnete freudig die Tür, um ihn zu begrüßen, aber entgegen der sonst so stürmischen und liebevollen Begrüßung ging er wortlos an mir vorbei. 

 

Ich war verwundert über dieses Verhalten und fragte ihn, ob irgendetwas auf der Arbeit passiert sei. Die kurze und knappe Antwort war, seit wann ich mich dafür interessieren würde. Er ging in die Küche und sah auf den gedeckten Tisch. Ich hatte das Gefühl, als ob ein Blitz durch seinen Körper fuhr, so ruckartig blieb er stehen. Er nahm ein Weinglas, nippte daran und knallte es mit einer Wut auf den Tisch zurück, dass die Hälfte des Weins überschwappte. Bevor ich einen Ton sagen konnte, schrie er mich unvermittelt an: "Wie oft soll ich noch sagen, dass ich meinen Weißwein nur gekühlt trinke?"    

 

Ich war völlig verdattert und entgegnete, dass ich heute länger im Büro bleiben musste und somit nach dem Einkauf  nicht genügend Zeit hatte, den Wein zu kühlen. Ich bot ihm an, einen Eiswürfel in das Glas zu tun, worauf er entgegnete, dass er keine "halbgare Pampe" trinken möchte. 

 

Wortlos setzten wir uns an den Tisch und mürrisch fing er an zu essen. Sein Blick lies nichts Gutes erahnen:  "Warum hast du denn heute rote Kerzen angemacht?... hast wohl was zu verbergen und willst mich so einlullen?" 

 

Jetzt begann die Situation zu eskalieren. Ich sah mich auf einmal mit dem Vorwurf konfrontiert, dass ihm schon länger auffallen würde, dass meine häufigen Überstunden ja wohl einen Grund hätten. "Glaubst du das ich die Blicke von deinem Chef neulich auf der Betriebsfeier nicht bemerkt habe?" 

 

Ich war so verdutzt über diese völlig absurde Behauptung, dass ich ihm nur ein "du spinnst doch komplett heute" zurückwarf. 

 

Ein Wort gab sich das andere und seine Vorwürfe und Behauptungen steigerten sich sowohl in der Intensität als auch seiner Ausdrucksweise. Meinen Chef betitelte er als "notgeilen Bock" und schlussendlich nannte er mich eine "berechnende Dirne", die ihr Augenmerk bei Männern ja  immer auf deren finanziellen Verhältnisse gerichtet hätte.  

 

Ich hatte so etwas bei meinem Partner noch nie erlebt. Eine Mischung aus Wut und Fassungslosigkeit überkam mich und ich zog mich heulend ins Wohnzimmer zurück. 

Eine halbe Stunde lang hörte ich meinen Partner noch in der Küche wüten und schreien und mich überkam das erste Mal in unserer  Beziehung so etwas wie Angst vor körperlicher Gewalt. 

 

Irgendwann wurde er ruhiger... er kam zu mir ins Wohnzimmer und stand dort wie ein Haufen Elend vor mir. Ich bemerkte, dass er selber geweint hatte und versuchte, das vor mir zu verbergen. Ich stand unvermittelt auf, um ihn in den Arm zu nehmen. Er tat mir, obwohl er mich maßlos beschimpft hatte, unendlich leid. Mit leiser Stimme sagte er, dass es ihm leid tue und er selber momentan einem gewaltigen Druck ausgesetzt wäre. In letzter Zeit sei er einem starken Mobbing in seiner Firma ausgesetzt und irgendwie wären auf einmal alle Kollegen so seltsam zu ihm. Und dann wäre da auch noch diese eine Kollegin, die scharf auf seinen Posten sei und ihn beim Chef und im Kollegenkreis schlecht mache.  "Und das alles habe ich heute an dir ausgelassen" 

 

Natürlich hatte ich Verständnis für seine Situation und sagte ihm, dass wir das gemeinsam schon schaffen würden...voller Dankbarkeit nahm er mich so fest in den Arm, dass es fast weh tat. Wir küssten uns leidenschaftlich und stürmisch und den Weg zum Schlafzimmer schafften wir nicht mehr... stundenlang hatten wir einen abgöttischen Sex mitten im Wohnzimmer. 

 

 

Alles war wieder gut...   

 

 

Viele Borderliner fürchten sich sehr davor, ihren Partner oder ihre Partnerin zu verlieren. Daher kann auch extreme Eifersucht in einer Borderline-Beziehung zum Problem werden. Grundsätzlich fällt es Betroffenen sehr schwer Vertrauen aufzubauen. Phasenweise misstrauen sie jedem und in Krisen ist es unmöglich an sie heran zu kommen.

Alles erscheint böse und sie fühlen sich von allen anderen Menschen verfolgt, auch wenn es sich nur um ehrlich gemeinte Sorge handelt. Es handelt sich nicht um Paranoia, aber es treten häufig paranoide Symptome auf.


Im Bewusstsein des Borderliners entstehen dann schnell solche Gedanken wie „Alle haben etwas gegen mich!“ „Alle wollen nur das es mir schlecht geht!“. Gerade durch evtl. Narben, durch selbstverletzendes Verhalten ausgelöst, gehen die Gedanken auch gerne in die Richtung: „Man sieht mir meine Krankheit an!"

 

Borderliner sind ständig auf der Suche nach Geborgenheit, Verständnis, Aufmerksamkeit und Vertrauen. Somit löst ein Streit diese Verlustängste besonders stark aus. Es ist dabei vollkommen irrelevant wer der Auslöser der Auseinandersetzung war. Gerade in dieser Situation braucht der Betroffene Aufmerksamkeit und Zuneigung, die er dann jedoch verständlicherweise nicht bekommt. Um sich zu schützen, flüchtet sich die Borderlinepersönlichkeit darum gerne ins andere Extrem und wertet den Partner energisch, bis hin zur Abspaltung, ab.


Eine andere Problematik der Betroffenen stellt sich in der Wahrnehmung des Partners dar. Im Gegensatz zu einer "gesunden" emotionalen Wahrnehmung, in der ein Beziehungspartner mit sowohl seinen guten als auch negativen Eigenschaften gleichzeitig  gesehen und in seinem Gesamtbild empfunden und gemocht wird,  fehlt einem Borderliner die Fähigkeit, verschieden Aspekte und Emotionen gleichzeitig wahrzunehmen.

 

 

Daraus folgend verliert der in der Idealisierungsphase ausschließlich als positiv empfundene Angehörige seinen "Glanz" schneller, als ihm lieb ist.

 

 

Der Borderliner "entdeckt" praktisch auch die negativen Merkmale des Partners. Im Gegensatz zu anderen Paarbeziehungen, in denen diese "Macken" im Normalfall

akzeptiert werden, kann der Borderliner diese Aspekte nicht in sein Gesamtbild des Partners integrieren.

 

Der daraus folgende Abwehrmechanismus bedingt dann eine Entwertung des Partners, die in ihrer Qualität und Quantität steigt. Streitsucht, permanente Vorwürfe und Verdächtigungen, Kontrollsucht sowie teilweise heftige Wutausbrüche nehmen mehr und mehr zu. Für den Partner wirken diese Vorwürfe oftmals absurd und irrational,

aus der Luft gegriffen bzw. "frei erfunden".

 

Für den Borderliner sind die auslösenden Momente und Phasen, die ihn zu diesen Verhaltensmustern führen, purer Stress. Bedingt durch eine starke innere  Anspannung

sowie die fehlende oder nur bedingte Möglichkeit zur Emotions-Regulierung agiert und reagiert ein Borderliner dann oftmals "ungefiltert".

 

Die aus dem Unterbewussten heraus kommenden, ungefilterten Reaktionen sind dann impulsiv und unkontrolliert.  

 

Bedingt durch die überwiegend  strikte Schwarz-Weiß-Zeichnung des Borderliners ohne Zulassen von Zwischentönen sowie eine fehlende Erkenntnis oder gar Betroffenheit über die Widersprüche seiner Handlungsweise erfolgt als weiterer bzw. unterstützender  Abwehrmechanismus die Verleugnung von Situation(en) oder

aber deren Verdrängung.

 

Der Mechanismus  der Verleugnung basiert auf der Weigerung, nicht nur den spezifischen Konflikt nicht wahrzunehmen, sondern auch einen weiten Teil der Realität, der

mit dem Konflikt zusammenhängt.

 

Bei der Verdrängung werden Konfliktsituationen, Gefühle  oder Impulse ins Unterbewusstsein"abgeschoben" und stehen dem Borderliner somit nicht mehr

zur Verfügung. Diese frühkindlichen bzw. unterentwickelten Abwehrmechanismen bedingen für ihn somit eine Erleichterung.

 

Für den Angehörigen stellt sich allerdings das erneute "herauskramen" von verdrängten Situationen als sehr verwirrend dar.  Urplötzlich werden scheinbar

verarbeitete oder einfach "vergessene" Konflikte wieder ans Tageslicht geholt und oftmals auch in einen für den Partner nicht nachzuvollziehenden Zusammenhang

mit aktuellen Disharmonien und Spannungen gebracht. 

 

Verwirrung und Konfusion machen somit eine "saubere" Streitkultur mit dem Borderliner umso schwieriger.

Für den Partner stellt sich in dieser Verwirrung oftmals die Frage, was noch real ist oder eben Fantasie. Nicht selten fängt er an, an seiner eigenen Wahrnehmung zu zweifeln und verändert dann seine Verhaltensweisen in Konfliktsituationen , um sich der Lage anzupassen.  

 

In Verbindung mit permanenten Wechseln der Stimmung  des Betroffenen gehen häufig auch Verluste seiner Impulskontrolle einher, die sich in exzessivem und teilweise selbstschädigendem Verhalten zeigen.

 

Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass dies offensichtlich sein muss. Die weit verbreitete These "Alle Borderliner ritzen sich" ist somit zu revidieren,

als dass eine Selbstschädigung sich auch in alltäglichen Situationen wie riskantem Autofahren, übermäßigem Genuss von Alkohol , Drogen, Essen oder Sex zeigen kann.

 

Die pure Selbstverletzung durch beispielhafte Schnitte in die Haut oder selbst herbeigeführte Verbrennungen dienen der reinen Befreiung von inneren Spannungszuständen des/der Betroffenen und helfen, dass überhaupt wieder eine eigene Wahrnehmung des Körpers erfolgt.        

     

 

Die einzige Stabilität ist...die Instabilität.

 

 

Grundsätzlich gesehen stehen in der Beziehung zwischen dem Borderliner und dem Angehörigen somit  die Bedürfnisse  des Borderliners im Vordergrund. 

 

Das Bemühen des Borderliners, seine Verlustängste im Griff zu halten, wird somit auch durch Manipulation und Instrumentalisierung des Partners aufrecht

erhalten.  Teilweise maßlose und nicht erfüllbare Ansprüche an den Partner werden mehr oder weniger rücksichtslos eingefordert.

 

Eine, ob nun bewusst oder unbewusst, vollzogene Nicht-Erfüllung seiner Wünsche "beantwortet" der Borderliner somit häufig durch eine (erneute) Abwertung

des Partners. Sollte ihm im Laufe der Beziehung die dauerhafte Kontrolle und das vom Partner oftmals als totale Beherrschung empfundene "screenen" nicht

mehr möglich sein, erfolgt der Rückzug des Borderliners.          

 

 

 

 

 

 

Dem Ende der Beziehung zu einem Borderliner gehen oftmals zahllose Trennungen und Versöhnungen voran.

 

Unter anderem bedingt durch permanentes Hin-und her-spalten bleiben die negativen Aspekte des Partners dem Borderliner in seinem Gedächtnis erhalten und werden ähnlich wie in einem Speicher gesammelt.  Eine Leerung dieses Speichers ist ihm/ihr nicht möglich und hier findet sich ein wichtiger Aspekt: 

 

Eine "normale"  Beziehung beinhaltet natürlich auch Streitereien, Unzufriedenheiten und unterschiedliche Meinungen. Hier wird aber in der Regel durch Gespräche oder

auch einmal  durch einen ordentlichen Streit  die Luft wieder gereinigt bzw. der Speicher mit den negativen Aspekten wieder geleert. 

 

Bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist diese Leerung nicht möglich und somit bleibt der Speicher beim Borderliner immer voll und füllt sich weiter bis er

platzt. Man kann sich diesen Speicher vorstellen wie ein Fass ohne Abfluss, das durch ständig wiederkehrende und neu hinzukommende Abwertungen so lange gefüllt wird, bis es unweigerlich platzt.

 

Für den Borderliner gibt es keinen Mittelweg, keinen Spielraum für Kompromisse. Aufgrund der extremen Schwankungen der Wahrnehmung kann der Borderliner nicht

bei einer Sache bleiben. Für Borderliner gibt es keine mit Emotionen verbundene Vergangenheit, nur das Jetzt. Wenn ein Fehler im Jetzt passiert, kann die ganze schöne oder erfolgreiche Vergangenheit komplett ins Negative umgekehrt werden – in einem einzigen Augenblick.

 

Daraus resultierend erfolgen die für den Partner bzw. Angehörigen als urplötzlich und aus dem Nichts heraus empfundenen Wutausbrüche, Vorwürfe und Streitereien bis

hin zu schlagartigen Trennungen. Diese Trennung erfolgt oftmals nicht im persönlichen Gespräch, sondern per Kurznachricht, als Brief oder kurz und knapp in einem Telefonat.

 

Viele Partner finden selbst nach länger währenden Beziehungen auf einmal die gemeinsame Wohnung leer und ausgeräumt vor...als ob der Borderliner bzw. die gesamte

Beziehung niemals existiert hätte.

 

Diese unpersönliche Art ist darin begründet, dass der Borderline in diesem Augenblick seine Flucht aus der Beziehung und Erlösung von seinem Druck in Gefahr sieht.

Ein erneutes Aufeinandertreffen mit dem (dann) Ex-Partner könnte schließlich wieder in eine Spaltung und daraus folgend  in eine emotionale Bindung führen. 

 

Das Phänomen von teilweise unzähligen Trennungen und  Wiedervereinigungen ist also durch die Spaltung begründet.

Allerdings werden die zwischenzeitlichen neuen Symbiosen (z.B. Versöhnungssex) in ihrer Intensität schwächer und kürzer, weil der Speicher immer mehr in den Vordergrund rückt und der Borderliner den Speicher immer mehr spürt und dieser durch neue Situationen, die der Borderliner als Verletzung oder Ablehnung empfindet, immer mehr an Präsenz gewinnt.

 

 

Die endgültige Trennung allerdings ist in Ihrer Intensität und Folgen für den Partner ein absoluter Ausnahmezustand der Psyche.

 

Bisher nicht gekannte Beschimpfungen, Vorwürfe und auch Denunzierungen im Umfeld des Angehörigen einhergehend mit dem totalen Kontaktabbruch und einer "Eiseskälte" lassen die Situation wie das "Ende der Welt" erscheinen und bedingen eine komplette physische sowie psychische Auslaugung.     

 

Weiterhin können sich - zum Beispiel bei gemeinsamen Kindern - langfristige Herausforderungen im Umgang mit dem Borderliner ergeben. Selbst bei "normalen" Beziehungen ist eine Trennung und der anschließende Umgang miteinander oft nicht einfach - durch die Besonderheit der Borderline-Persönlichkeitsstörung verschärft

sich die Situation jedoch zusätzlich.